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Die Reaktionen die man bekommt, wenn man erzählt, dass man in den Jemen reisen möchte, sind ziemlich interessant. Sie reichen ungefähr von "Waaas? Willst Du entführt werden" und "OK, wir sammeln schonmal Lösegeld in der Kaffeekasse" bis zu "Klasse, das ist ein wunderschönes Land mit einer unheimlich alten faszinierenden Kultur", wobei die Kommentare der ersten Art deutlich überwiegen. Wie also kommt man dazu, ausgerechnet in den Jemen fahren zu wollen? Ich gebe zu, dass ich eigentlich auch niemals auf die Idee gekommen wäre. Ja wenn, wenn nicht mein Freund Sascha Arabistik und Islamistik studieren würde und zwecks Sprachstudien für ein Jahr nach Sanaa gegangen wäre. Da dachte ich mir, dass man die Gelegenheit in so ein Land zu kommen so leicht nicht wieder bekommt und die Idee ihn zu besuchen war (nicht nur bei mir) schnell geboren. Die größte Verdienst diese abstrakten Pläne dann irgendwann auch zu konkretisieren und anzupacken gebührt wohl Falk, jedenfalls machten wir uns irgendwann nicht zu letzt auf sein Drängen an die Planung, schlugen uns mit der Sicherheitslage, den nötigen Impfungen und Visaformalitäten (alles siehe unten) herum und buchten schließlich über EgyptAir Flüge nach Sanaa. Am 24.02.2007 von Berlin Schönefeld über Kairo nach Sanaa, am 17.03.2007 wieder zurück für 470 Euro (war das günstigste Angebot). Bezüglich der konkreten Planung haben wir uns ziemlich stark auf Sascha verlassen. Ich meine, wofür hat man denn einen Mann vor Ort? Klar war, dass es auf irgendetwas wie eine Woche in Sanaa und zwei Wochen Rundreise durchs Land hinauslaufen würde. Mit dem bequemen sich verlassen ist das aber halt auch so eine Sache. Das Schicksal schlug hart zu und ein paar Tage vor unserem Abflug starb ein Freund von Sascha in Jena völlig unerwartet über Nacht an Herzstillstand. Daraufhin ist Sascha kurzentschlossen nach Jena gekommen und statt in Sanaa sahen wir uns aus unerfreulichem Anlass dann noch in Jena, hatten aber keinen Sascha mehr in Sanaa um uns dort in Empfang zu nehmen. Sascha hat sich aber wirklich noch reingekniet (nochmal herzlichen Dank an dieser Stelle) und uns noch kurzfristig so gut es ging bei all den organisatorischen Kleinigkeiten geholfen. Insbesondere hat er eine deutsche Freundin in Sanaa organisiert, die uns um 3:00 Uhr morgens dort am Flughafen in Empfang genommen hat. Ein Service, der in einem Land in dem man mit Englisch in der Regel nicht sehr weit kommt Gold wert ist. Ansonsten war der Plan dann, die Rundreise vorzuziehen und die Woche in Sanaa nach hinten zu schieben, bis Sascha wieder dort sein würde. Ob wir nun so kurzfristig die Rundreise würden buchen können ließ sich leider aus Deutschland nicht mehr klären. Aber, Inschallah.. :-) SicherheitslageEin langes, prekäres, heikles Thema über das die Meinungen auseinandergehen. Eine halbwegs objektive Quelle sind die Landesspezifischen Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Generell gibt es im Jemen eine lange Geschichte von Touristenentführungen, wobei das Problem in einigen Jahren prekärer war als in anderen und man den Eindruck hat, dass sich die jemenitische Regierung sehr darum bemüht, das Problem in den Griff zu bekommen. Soweit ich es beurteilen kann ging es bei diesen Entführungen auch immer um Konflikte zwischen lokalen Stämmen und der Zentralregierung, d.h. die Stämme entführen Touristen um irgendwelche Zugeständnisse (Schulbau, Straßen, ...) von der Zentralregierung zu erzwingen. Ohne das Problem verharmlosen zu wollen ist das natürlich etwas anderes als von irakischen Terroristen gekidnappt zu werden, die den Abzug der amerikanischen Truppen erzwingen wollen. Es scheint denn auch so zu sein, das bei diesen Entführungen fast nie jemand zu Schaden kam und die Entführten meist nach kurzer Zeit wieder frei waren. Trotzdem dürfte eine Entführung eine Erfahrung sein, auf die man verzichten kann. Wir haben uns auf unserer Jemenreise stets sehr sicher gefühlt, obwohl (besonders für Claudia) der Anblick von Militär- und Polizeieskorten, die man auf bestimmten Strecken bekommt sowie von Jemeniten, die in manchen Gegenden (z.b. Marib) ganz selbstverständlich alle eine Kalaschnikov mit sich herumtragen gewöhnungsbedürftig ist. Sanaa gilt als völlig sicher und im übrigen Land sollte man ohnehin nicht allein herumreisen (häufig erlaubt dies die jemenitische Regierung auch gar nicht). Die Reiseagentouren kennen sich mit der Sicherheitslage aus, steuern heikle Gegenden entweder gar nicht an (als wir im Jemen waren, war es verboten in die Region um Sadaa zu reisen) oder halten sich an die ihnen bekannten lokelen Gepflogenheiten (bei einer Wüstendurchquerung abseits der befestigten Straßen benötigt man z.B. einen lokalen Beduinenführer als Schutz). Aktuell hat das Sicherheitsproblem im Jemen allerdings eine neue Dimension bekommen. Bei einem Selbstmordanschlag am 2. Juli 2007 in der Provinz Marib kamen 8 spanische Touristen, zwei jemenitischen Fahrer und der Täter ums Leben. Sascha hat zu dem Ereignis einen Blogeintrag geschrieben. Selbstmordattentate hat es vorher im Jemen nicht gegeben (wohl aber Anschläge auf amerikanisches Militär, z.B. auf die USS Cole im Jahr 2000.) Man kann also auch nicht behaupten, dass der Jemen nicht auch früher schon Operationsbasis islamistischer Fundamentalisten gewesen sei. Neu ist, dass sich Anschläge gegen Touristen richten. Inwieweit es unter diesen Gesichtspunkten aktuell noch sicher ist, den Jemen zu bereisen, mag ich nicht beurteilen. VisumVisum kann man mit entsprechendem Vorlauf bei der jemenitischen Botschaft in Deutschland beantragen. Besonders einfach sind die Prozedere wohl, wenn man vorher in die Deutsch Jemenitische Gesellschaft eintritt, dann sinkt auch die Visumsgebühr auf die Hälfte. Eine Einladung aus dem Jemen ist wohl hilfreich (Sascha hatte entsprechendes direkt in Sanaa in die Wege geleitet) aber offenbar nicht zwingend notwendig. Einige der Touristen, die mit uns in Sanaa ankamen hatten auch überhaupt kein Visum und haben es sich direkt dort bei der Einreise am Flughafen - offenbar auch ohne Probleme - besorgt. Das ist natürlich ein Verfahren, das mit einem gewissen Restrisiko verbunden ist.MedizinischesEine ärztliche Beratung (am Besten bei einem Tropenarzt) vor eine Jemenreise einzuholen ist obligatorisch. Neben den üblichen Reiseimpfungen (Typhus, Hepathitis, Diphterie, Tetanus) gibt es insbesondere ein Malariarisiko, das je nach Quelle, Jahreszeit und Höhenlage (Sanaa z.B. gilt als Malariafrei) unterschiedlich hoch eingeschätzt wird. Wegen der starken Nebenwirkungen empfiehlt sich ggf. eine Stand-By-Prophylaxe (d.h. man nimmt Tabletten mit und schluckt aber nicht prophylaktisch sondern erst wenn Symptome auftreten). Die derzeit modernste Prophylaxe scheint wohl Malarone zu sein (deutlich weniger Nebenwirkungen als das ältere, bekanntere (und billigere) Lariam), ggf. beim Arzt geziehlt mal danach fragen.FlügeEs gibt - natürlich - verschiedene Möglichkeiten, von Deutschland zu fliegen. Jemenia und Lufthansa bieten sogar Direktflüge an, was natürlich seinen Preis hat. Ansonsten kann man mit Turkish Airlines, Egypt Air oder den diversen Golfstaaten Airlines über den entsprechenden Hub mit Umsteigen nach Sanaa fliegen. Das hat insgesamt den Nachteil, dass offenbar fast alle Flüge zu unmenschlichen Zeiten in Sanaa ankommen und abfliegen, hauptsächlich wohl, weil die Flugpläne nicht auf den Streckenabschnitt nach Sanaa hin optimiert sind. Damit muss man leben oder tiefer in die Tasche greifen und einen Direktflug nehmen.Reiseführer (Bücher)Ein einfaches Thema, dass sich äußerst übersichtlich gestaltet. Direkt über den Jemen gibt es meines Wissens nach nur einen Lonely Planet (von 1999, also relativ veraltet und darüber hinaus derzeit vergriffen) und einen aktuellen deutschsprachen Führer aus dem Reise-Know-How Verlag. Der ist nicht schlecht, aber ich hatte auch schon bessere Führer aus der Reihe.Reiseführer (Agenturen)Herumreisen auf eigene Faust im Jemen sollte man nur, wenn die Sicherheitslage es erlaubt, man sich gut auskennt und gut Arabisch spricht. Ansonsten sollte man mit einer der zahlreichen Agenturen durchs Land fahren. Wir haben ausgezeichnete Erfahrungen mit Cameleers Tours gemacht. Mohammed Baza, der Besitzer, hat jahrelang in Deutschland gelebt, spricht fließend und fast akzentfrei deutsch und kümmert sich auf Wunsch um alles. Wenn man möchte kann man vom Flughafen abgeholt werden, eine mehrwöchige individuell zusammengestellte Tour durchs Land machen und wird dann wieder am Flughafen abgegeben. Und das zu erstaunlich bezahlbaren Preisen. Ich hätte nie gedacht, dass Reisen in ein Land wie den Jemen so einfach sein kann.
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